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Du910 - das Kulturmagazin Städtebau. Die Rückkehr des grossen Plans
Früher plante man Städte als ganze Einheit. Aus einer integrierten und grossräumigen Perspektive betrachtet, entstanden die großartigsten Städte der Welt mit großen Plätzen und Grünflächen und einer komplexen Kombination aus Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden und Infrastrukturen.Heute ist Stadtgestaltung nur noch eine Angelegenheit von Arealen. Politiker und Stadtplaner glauben, dass die Stadt nicht mehr als Gesamtheit gedacht werden kann. Auch in der Schweiz gibt es nur noch Gestaltungsprojekte für kleinere städtische Areale. Zwar sind so qualitative Lebenswelten entstanden, aber doch in begrenztem Maßstab.Unter Einbeziehung inspirierender historischer und auch aktueller Beispiele möchte diese Du-Ausgabe aufzeigen, inwieweit Stadtplanung wieder integrierter gedacht werden könnte. Schließlich stehen wir vor großen Herausforderungen bezüglich der inneren Verdichtung, aber auch bezüglich ökologischer und klimatologischer Schwierigkeiten. Diese machen nicht vor Gemeinde- und Quartiergrenzen halt.
Reutersiedlung
Die Reutersiedlung wurde zwischen 1949 und 1952 für die Mitarbeitenden der gerade neugegründeten Bundesrepublik im Bonner Stadtteil Kessenich errichtet. Geplant von Architekt Max Taut und Landschaftsgestalter Heinrich Raderschall, wohnten hier Politikerinnen und Politiker aller Parteien neben Journalistinnen und Journalisten sowie Angestellten des politischen Apparates in Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen und kleinen Einfamilienhäusern. Basierend auf der Idee der Gartenstadt, wurden die modular konzipierten Gebäude um ein gesellschaftliches und infrastrukturelles Siedlungszentrum herum in lockerer Bauweise angelegt.Die Reutersiedlung ist bis heute durch ihren ländlichen Charakter mit hohem Grünflächenanteil in städtischer Umgebung geprägt. Aufgrund ihrer architektonischen und städtebaulichen Qualität sowie der Bedeutung für die Stadtgeschichte steht sie seit 1986 unter Denkmalschutz.Das Heft behandelt die Planungs- und Baugeschichte der Siedlung, beschreibt detailliert die Architektur und Freiraumgestaltung und bietet Einblicke in den aktuellen Zustand sowie Perspektiven für eine denkmalgerechte Erhaltung.